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Freitag, 7. April High Noon
Die Entscheidung ist
gefallen. Bei der WM steht Jens Lehmann im Tor. Das ist eigentlich okay und bei
vielen Nationalmannschaften auch kein ungewöhnliches Ding. Bei uns jedoch ist
das anders. Torwart-Obermonster Oli Kahn, den selbst die kleinen Kinder in
Ksyl-Orda südlich von Dshussaly fürchten, ist nicht mehr Nummer 1. Unglaublich,
ein Imperium zerbricht.
Aber Oli Kahn ist auch ein Mensch. Mit Gefühlen. Mit Tränen. Mit einem Herzen.
Äääätsch, verarscht, ist er gar nicht! Er
ist und bleibt der eiskalte Titan, eine gefühllose Ballstop-Maschine, die keine
Freunde kennt. Und diese wird jetzt demontiert. Hilfesuchend wendet sich der Oli
in einem persönlichen Brief an wm-transfer.de (die Rechtschreibfehler sowie
Fäkalausdrücke wurden von der Redaktion zensiert). Lesen Sie nachfolgend
Ein Titan sieht rot
oder
"Ich kann Bälle scheißen, der Lehmann nicht!"
Liebes wm-transfer-Team,
sicher
habt Ihr von der Entscheidung des Amerikaners gehört. Er hart sich gegen mich
und
so gegen alle Titanen dieser
Erde entschieden. Das hat neben ihm noch nie jemand zuvor gewagt (bis auf meine Ex-Frau vielleicht). Diese
blonde Grinse-Tucke und seine Kumpels Köppke und Bierhoff. Köppke hat mal wieder
nur die Klappe gehalten und der Bierhoff hat nur mit seinem Schlips gespielt
(erinnerte mich ein bißchen an Oliver Hardy). Und dann hat der Trainer mich
abserviert. Eiskalt, gnadenlos, ohne Angst, dass ich ihm gleich meine rechte
Bratpfannenhand in die Fressleiste ziehe.
Und
dabei hat er immer gesagt, ich wäre die Nummer 1. Bei jeder Gelegenheit,
versteht Ihr. Sogar unter der Dusche kam er öfter zu mir, hat mir den
stahlharten Rücken eingeseift und mir Mut zugesprochen. Verena war da schon
manchmal ein bißchen eifersüchtig. Aber ich habe es bis heute sonst
niemanden erzählt. Auch nicht, dass er mich unter vier Augen sein "kleines
Greifäffchen"
nannte. Alles habe ich über mich ergehen lassen. Und jetzt das...
Aber ich wäre nicht der
Titan unter den Torhütern, wenn ich nicht
geistesgegenwärtig sofortige Gegenmaßnahmen
eingeleitet hätte. Als erstes habe ich diese linke Bazille von Matthäus
angerufen. Der ist zwar ein Arsch, aber für solche Dinge grade richtig. Der hat
dann sofort den Journalisten erzählt, wie doof und hinterhältig doch der
Klinsmann ist. Das war mein erster geschickter Schachzug, hehehe.
Aber
das
war nicht alles. Da man als so begnadeter Fussballer wie ich ja sehr viel
herumkommt, hat man
natürlich auch die entsprechenden Kontakte für
solche Fälle geknüpft. Ist ja klar, oder? Zumindest kenne ich da einen gewissen Motabe Oktutu
aus Guinea-Bissau, den ich gestern noch anrief. Ist ein guter Mann, der Motabe.
Er
hat bisher 14 afrikanische Regierungen gestürzt und durch
andere ersetzt. Hin
und wieder hat er dann - nur so aus Spaß - auch die wieder mit Hilfe einiger
bewaffneter Bauern wegegeputscht. Und genau das werde ich auch tun. Weg mit
Klinsmann, Zwanziger und Merkel! Motabe wird mich erst zum Bundestrainer, dann
zur Regierungschefin und dann vielleicht zu einem Gott machen (falls ich das
noch nicht bin).
Nachdem
ich all meine messerscharf durchdachten Gegenaktionen angeleiert habe, habe ich
gestern abend mit der Verena erst mal richtig einen gelötet -
bis zum völligen Verlust der Muttersprache. Danach wollte sie noch tanzen gehen.
Wir also in meine Stammdisse P1. Und wißt Ihr, was dann passiert ist? Da
murmelte so ein Türstehervieh etwas von Ersatztorwart. Also ich erst mal meinen
Ich-bin-übermotiviert-und-
nichts-ist-vor-mir-sicher-Blick aufgesetzt und dann habe ich ihn mir
vorgenommen. Erst mit dem alten Klose-2-Finger-in-die-Nase-Trick und danach habe
ich mein Riesenmaul so nah an seins gedrückt wie damals bei dem Heiko Herrlich.
Der Koloss ist fast aus den Latschen gekippt von meiner Fahne. Aber ich hatte
noch nicht fertig. Nachdem ich ihm erst mal noch ordentlich eine geballert habe,
biss ich 2 tellergroße Stücke aus seinem Oberschenkel, die ich dann auch gleich
veschluckt habe. Wäh! Wäh! hat er gebrüllt, aber ich hatte so `ne Art
Blutrausch. Deshalb hat er jetzt auch keine Eier mehr (genau wie unsere
Mannschaft ab und zu...). Na ja, mit dem Lokalverbot im P1 muß ich jetzt wohl
auch noch leben.
Ihr
seid
meine letzten verbliebenen Freunde, glaube ich, denn Ihr habt schließlich immer
gegen den Lehmann gewettert, oder?
Euer Oli
Tja, Oli.
Falsch gedacht! Genau wie Du haben wir auch keine Freunde und brauchen es
deshalb keinem recht machen.
Viele Grüße,
wm-transfer.de
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