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Dem Klinsi ihm sein Tagebuch 
 

Dem Klinsi ihm sein letzter Eintrag

"Liebes Tagebuch, nun ist es das letzte Mal, dass ich Dich in meine Hände nehme und Dir meine intimsten Gedanken anvertraue. Die letzten Wochen mit den Jungens, meinen kleinen Klinsmännern, waren einfach toll. Was haben wir im Trainingslager gelacht, sind wie kleine Buben herumgetollt und haben neckische Spielchen getrieben. Der Löw-Joachim und der Bierhoff haben mit mir manchmal auch verstecken oder blinde Kuh gespielt - mann, hatten wir einen Spaß im Trainingslager.

Und die WM hättest Du sehen sollen, mein liebes Tagebuch. Leider konntest Du das nicht, weil Du  ja keine Augen hast. Aber es war wirklich umwerfend. Meine Jungs haben die Welt das Fürchten gelehrt. Die haben gespielt wie junge Götter. Na ja, der Bernd Schneider zwar nicht so, aber die anderen. Und fast wären wir auch Weltmeister geworden, aber die Italiener hatten da etwas dagegen, weil sie Angst vor dem Elfmeterschießen hatten. Das gewinnen wir nämlich immer.

Als es dann um den dritten Platz ging, haben wir die Portugiesen verhauen. Mit wir meine ich nicht die Mannschaft, sondern den Schweini und mich. Wir beide waren wie entfesselt, wo wir denen drei Kirschen rein gemacht haben. Ich wollte mir auch gleich mein Hemd vom Körper reißen (hat der Schweini nämlich auch gemacht), aber die Debbie hat gesagt, ich soll das nicht machen, weil dann alle Leute meinen kleinen Bauansatz sehen könnten. Wie macht das eigentlich der Bierhoff, der hat nämlich noch immer einen Waschbrettbauch? Wahrscheinlich lässt er sich das Fett absaugen, sonst würde er aussehen wie der MV.

Ich habe die ganze WM von einem Freund auf Video aufnehmen lassen. Und weißt Du was, mein liebes Tagebuch? Alle lieben mich! Selbst der Delling und der Netzer. Und der Kaiser. Und die Merkel-Angie - die wo mir sogar in den Schritt greifen wollte, als sie mir gratuliert hat. Wahrscheinlich hat sich sogar der Loddar gefreut, denn der ist ja irgendwo auch ein Mensch. Nur die Portugiesen haben sich nicht gefreut, was wohl daran liegt, dass sie missgünstig, verschlagen und hinterhältig sind.

Am Tag darauf habe ich mir das Finale nicht angeschaut. Gewitzt wie ich nun einmal bin, habe ich den Journalisten erzählt, dass der Schmerz über das Halbfinale noch zu tief sitzen würde. Das ist natürlich Bullshit, wie wir Amerikaner so sagen. Oder Kälberkackle, wie wir Schwaben so sagen. Der einzige Grund war, dass ich einen solchen Kater hatte, dass ich den ganzen morgen die Toilette angebrüllt habe. Der Löw wollte mir helfen. Dann habe ich ihn auch angebrüllt, aber er wollte nicht weggehen. Da musste ich ihn mit einem Kopfstoß auf seinen schmalen Brustbereich zu Boden befördern. Da sind wohl meine Gefühle mit mir Gassi gegangen. Fälschlicherweise wurde die Erfindung dieser neuen Kopfkiller-Technik einige Stunden später dem Zizou zugeschrieben, der wo sie erstmals im deutschen Fernsehen präsentiert hat. Sei`s drum.

Wir haben vor dem Finale ganz toll mit den Berlinern gefeiert. Mann, das war das Hämmerle! Die haben alle "Klinsi, Klinsi" gebrüllt und fanden es auch gut, dass ich das Bundesverdienstkreuz bekomme, das wo ich mir auch wirklich verdient habe, finde ich. Selbst Fans aus anderen Ländern haben mitgefeiert, weil wir so grandios waren. Ja, selbst die Götter haben auf mich hinab gesehen und gelächelt. Wahrscheinlich haben sie gesagt: "Mensch, der Klinsi, das ist schon einer."

Einige Tage später mußte ich zu dem Zwanziger vom DFB, dem falschen Fuffziger. Ich dachte, dass er mir die Füße küsst, mir eine eigens komponierte Klinsi-Hymne vorsingt oder zumindest kurz mal auf die Knie fällt. War nichts! Der hat nach meinem ersten zaghaften Versuch, "Nein" zur Vertragsverlängerung zu sagen sofort akzeptiert und sich von mir verabschiedet. Da ging meine Taktik wohl nicht ganz auf. Ist ja auch kein Wunder, die hatte ich vorher ja auch nicht mit dem Jogi abgestimmt. Egal, was soll's. Jetzt übernimmt der Löw und kann sich durch die stinkend langweilige EM-Qualifikation quälen, die wo sowieso keinen Spaß macht.

Ich war ja schon auf so etwas vorbereitet. Ich mache jetzt ein paar Monate Pause und dann komme ich wieder. Entweder als Argentinier, um Elfmeterschießen zu üben oder als Hockey-Bundestrainer. Den Bernhard Peters habe ich da vor ein paar Monaten ja schon aus dem Amt befördert. Das war doch auch ganz geschickt von mir, liebes Tagebuch. Oder findest Du etwa nicht???

So, das waren meine letzten Zeilen, bevor Du in den Papierkorb wanderst. Warum? Weil ich trotz meiner ganzen Eintragungen nicht Weltmeister geworden bin. Und weil Debbie immer heimlich in Dir liest und mich dann immer verarscht.

Adieu!

 

Adele Klinsi,es war lustig mit Dir!

das WM-transfer-Team