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Der Nachruf zur WM 2006

10/03/2018

Der ultimative Nachruf auf die Weltmeisterschaft 2006

Jetzt ist sie also vorüber, die tollste und beste Weltmeisterschaft aller Zeiten. Und was hat uns diese WM so alles gebracht? Richtig, eigentlich gar nichts! Außer, dass jetzt auch der letzte Bantu-Stamm weiß, dass wir Deutschen nicht nur auf Malle feiern können, wird nichts bleiben außer einem schäbigen 3. Platz für unser Team und einem noch viel schäbigeren Weltmeister Italien. Dieser hat sich eigentlich nur dadurch hervorgetan, einen grauenhaften Defensiv-Fußball zu spielen, sich in bester Tradition jeder Form der Schwalbenkunst zu bedienen, den Gegner durch unsportliche und aus dem Zusammenhang gerissene Filmaufnahmen zu schwächen und uns mit tödlich langweiligen Fußball zu nerven.

Diese Weltmeisterschaft hat uns aber auch Gewissheit über einige Dinge gebracht, die wir vorher höchstens erahnen konnten:

So wissen wir jetzt, dass David Odonkor die 100 Meter wirklich in 2, 7 Sekunden spurten kann. Auch haben wir jetzt die Gewissheit, dass Wayne Rooooney wirklich ein Arschloch ist – nur noch getoppt durch seinen portugiesischen Kumpel Christiano Ronaldo, den alten Feigling.

Dass die Italiener noch immer ungerechtfertigte Elfmeter geschenkt bekommen, überrascht nun wirklich keinen – man gewöhnt sich im Laufe der Jahrhunderte an alles. Und noch ein Wort zum Thema Schiedsrichter: Spätestens bei dieser Weltmeisterschaft hat sich die Gewissheit durchgesetzt, dass Schiedsrichter nichts weiter sind, als kleine, miese bestechliche Stinkbolzen mit so viel Ahnung von Fußball wie ein Ochse vom Skat. Obwohl die Idee, hin und wieder einem Spieler 3 gelbe Karten zu verpassen, schon durchaus von einem komischen Talent zeugt…

Neben erfreulichen Nebenerscheinungen dieser Veranstaltung, wie z.B. dem frühen Ausscheiden der  Käsköppe, der Argentinier und den Engländern, war es doch eine prima Party. Findet jedenfalls die ganze Welt, denn die waren ja nicht dabei. Jedem einigermaßen talentierten Fußballfan aus unserem Land dürfte aufgefallen sein, dass die Massenaufläufe zu 98,39 Prozent aus unglaublich nutzlosen Fußball-Laien bestanden. Nun gut, einige von ihnen waren ziemlich hübsch gebaut, weshalb die Partys dann eben doch interessant wurden. Man muss schließlich nicht immer Fußball gucken.

Zu den Überraschungs-Früh-Fliegern gehörten vor allem auch die Brasilianer, der Ober-Top of the Pops-Favorit. Dies war vor allem deshalb erfreulich, da die ganzen politisch korrekten Brasilien-Trikot-Träger auf den Straßen endlich verschwanden (bei dieser Gattung von „Fans“ handelt es sich um solche, die sich selbst beim Fußball einen intellektuellen Anspruch zu geben versuchen, egal, wie grausam das Spiel ihrer Brasilianer auch immer ist). Zumindest hat ihr Ausscheiden dem spielerischen Niveau der WM nicht geschadet, denn es war auch vorher fast nichts von den hochgelobten Fähigkeiten zu entdecken. Es kann nicht passender beschrieben werden, als durch den live-Kommentar von Bela Rethy: „Ich weiß nicht, was Ronaldo da vorne treibt. Man könnte meinen, er will die Mücken verscheuchen. Aber das kann nicht sein – dazu müsste er sich bewegen.“

Auch wurde ein sich seit vielen Monaten hartnäckig haltendes Gerücht widerlegt. Ronaldinio ist alles andere als ein Fußballstar mit Pferdegebiss. Er spielte nämlich Fußball wie einst nur Kalle Baschinski vom FC Böllerop e.V. an schlechten Tagen. Am Ende verging ihm sogar sein „Ihr-könnt-sogar-meine-Großmutter-überfahren-und-ich-habe-trotzdem-gute-Laune“-Lächeln. Das Pferdegebiss allerdings blieb.

Trotz der überraschend guten Leistung unserer Mannen mussten wir erneut feststellen, dass der Müscha Ballack aber auch gar nichts mehr taugt und glücklicherweise jetzt die Briten belästigt. Aber es gab noch Dinge, die waren viel schlimmer als er. Nein, wir reden jetzt nicht von Bernd Schneider, sonder von der italienischen Presse. Dass die ohnehin nicht ganz auf der Höhe eines annähernd normal denkenden Mitteleuropäers sind, überrascht ja niemanden. Jetzt aber wissen wir, dass sie die schlimmste Form der wieder ausgebrochenen Pest sind. Die wussten ganz genau, dass wir sie mit einem Frings in Normalform so dermaßen aus dem Halbfinale geballert hätten, dass ihnen Hören und Sehen vergangen wäre (wer hätte gedacht, dass wir Frings überhaupt einmal vermissen können). Und danach wären wir Weltmeister gegen 10 Franzosen geworden und auf Jahre unbesiegbar gewesen. Ach was, auf Jahrhunderte!!!

Zu den Neuigkeiten dieser WM gehörte, dass man bis zu 3 gelben Karten in einem Spiel bekommen kann. Diese sehr ausgefallene und lustige Idee  von Schiedsrichter Graham Poll trug sehr zur Besserung der bierseligen Partylaune bei. Ebenso wie die Erkenntnis, dass die Holländer und die Portugiesen sich ganz doll lieb haben. Was in diesem Spiel für Verbrüderungen zwischen den Vertretern ihrer Nationen stattfanden, war schon herzig anzusehen. Selbst eine Schwiegersohnfresse wie Deco flog wie ein junger Adler über die Rasenfläche, nur um seinem Gegenspieler einen Beinbruch zu schenken. Fast hätte es sogar geklappt, aber bei seinem Talent lernt er das auch noch.

Kommen wir zu den positiven Überraschungen, denn die gab es auch: Zuerst waren da natürlich unsere Jungs, die wirklich einen ordentlichen Ball treten können, wenn sie wollen. Sie hätten sogar Weltmeister werden können, wenn da die Italiener nicht gewesen wären. Oder die Australier. Super gespielt und schon fast das Viertelfinale erreicht, wenn da die Italiener nicht gewesen wären. Oder die Franzosen, die trotz des hohen Altersdurchnittes der Mannschaft sich heldenhaft in jedem Spiel verbessert haben. Sie führten das Finale dermaßen überlegen, dass es nur eine Frage der Zeit war, wann sie zu ihrem Todesstoß ansetzen würden. Wenn da nicht Zidane gewesen wäre. Und Trezeguet. Und die Italiener.

Was gehörte noch zu den neuen Erkenntnissen? Man kann Jens Lehmann mögen (na ja, akzeptieren) und man kann sagen, dass Oliver Kahn fair ist.

Eine weitere Erkenntnis ist, dass Angie-Baby Merkel beim Jubeln aussieht, als wäre ihr Hals amputiert und stattdessen die Arme vom Duracell-Häschen eingepflanzt worden Diese Feststellung ist fast so erstaunlich, wie dass sie überhaupt jubeln kann. Überhaupt, wir konnten an den Bildschirmen sehen, dass unsere Königin oder was sie auch immer für einen Beruf hat, eigentlich ein ziemlich heißes und hemmungsloses Hool-Groupie ist (oh-oh – dafür kriegen wir bestimmt wieder Ärger…). Ganz Deutschland konnte ihren wilden und lassiven Gesichtsausdruck sehen, dem sie jedem einzelnen unserer armen Kicker zuwarf. Da knisterte es in der Stuttgarter Abendluft. Nicht wenige sind sich sicher, dass zwischen ihr und dem Klinsi-Jürgen etwas gehen könnte. Wir aber wollen uns nicht an Mutmaßungen beteiligen.

Nach Abpfiff des Spieles um Platz 3 (und jetzt wissen wir, dass Stuttgart wirklich schöner als Berlin ist) hatten wir dann auch Gewissheit, dass Bernd Schneider Klinsis dunkelstes Geheimnis kennt. Wie ist sonst zu erklären, dass er immer in der Startelf stand? Dass er überhaupt im Kader ist? Dass er überhaupt einem Verein angehört? Dass er überhaupt Begrüßungsgeld bekommen hat?

Trotz dieses Mankos sind wir uns sicher: Es hätte nur einen würdigen Weltmeister geben können. Deutschland und seine wilde Horde.

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