Neueste

Ein Titan sieht rot

09/17/2018

Freitag, 7. April High Noon
Die Entscheidung ist gefallen. Bei der WM steht Jens Lehmann im Tor. Das ist eigentlich okay und bei vielen Nationalmannschaften auch kein ungewöhnliches Ding. Bei uns jedoch ist das anders. Torwart-Obermonster Oli Kahn, den selbst die kleinen Kinder in Ksyl-Orda südlich von Dshussaly fürchten, ist nicht mehr Nummer 1. Unglaublich, ein Imperium zerbricht.
Aber Oli Kahn ist auch ein Mensch. Mit Gefühlen. Mit Tränen. Mit einem Herzen.
Äääätsch, verarscht, ist er gar nicht! Er ist und bleibt der eiskalte Titan, eine gefühllose Ballstop-Maschine, die keine Freunde kennt. Und diese wird jetzt demontiert. Hilfesuchend wendet sich der Oli in einem persönlichen Brief an wm-transfer.de (die Rechtschreibfehler sowie Fäkalausdrücke wurden von der Redaktion zensiert). Lesen Sie nachfolgend

Ein Titan sieht rot

oder
„Ich kann Bälle scheißen, der Lehmann nicht!“

Liebes wm-transfer-Team,

sicher habt Ihr von der Entscheidung des Amerikaners gehört. Er hart sich gegen mich und so gegen alle Titanen dieser Erde entschieden. Das hat neben ihm noch nie jemand zuvor gewagt (bis auf meine Ex-Frau vielleicht). Diese blonde Grinse-Tucke und seine Kumpels Köppke und Bierhoff. Köppke hat mal wieder nur die Klappe gehalten und der Bierhoff hat nur mit seinem Schlips gespielt (erinnerte mich ein bißchen an Oliver Hardy). Und dann hat der Trainer mich abserviert. Eiskalt, gnadenlos, ohne Angst, dass ich ihm gleich meine rechte Bratpfannenhand in die Fressleiste ziehe.

Und dabei hat er immer gesagt, ich wäre die Nummer 1. Bei jeder Gelegenheit, versteht Ihr. Sogar unter der Dusche kam er öfter zu mir, hat mir den stahlharten Rücken eingeseift und mir Mut zugesprochen. Verena war da schon manchmal ein bißchen eifersüchtig. Aber ich habe es bis heute sonst niemanden erzählt. Auch nicht, dass er mich unter vier Augen sein „kleines Greifäffchen“ nannte. Alles habe ich über mich ergehen lassen. Und jetzt das…
Aber ich wäre nicht der Titan unter den Torhütern, wenn ich nicht geistesgegenwärtig sofortige Gegenmaßnahmen eingeleitet hätte. Als erstes habe ich diese linke Bazille von Matthäus angerufen. Der ist zwar ein Arsch, aber für solche Dinge grade richtig. Der hat dann sofort den Journalisten erzählt, wie doof und hinterhältig doch der Klinsmann ist. Das war mein erster geschickter Schachzug, hehehe.

Aber das war nicht alles. Da man als so begnadeter Fussballer wie ich ja sehr viel herumkommt, hat man natürlich auch die entsprechenden Kontakte für solche Fälle geknüpft. Ist ja klar, oder? Zumindest kenne ich da einen gewissen Motabe Oktutu aus Guinea-Bissau, den ich gestern noch anrief. Ist ein guter Mann, der Motabe. Er hat bisher 14 afrikanische Regierungen gestürzt und durch andere ersetzt. Hin und wieder hat er dann – nur so aus Spaß – auch die wieder mit Hilfe einiger bewaffneter Bauern wegegeputscht. Und genau das werde ich auch tun. Weg mit Klinsmann, Zwanziger und Merkel! Motabe wird mich erst zum Bundestrainer, dann zur Regierungschefin und dann vielleicht zu einem Gott machen (falls ich das noch nicht bin).

Nachdem ich all meine messerscharf durchdachten Gegenaktionen angeleiert habe, habe ich gestern abend mit der Verena erst mal richtig einen gelötet – bis zum völligen Verlust der Muttersprache. Danach wollte sie noch tanzen gehen. Wir also in meine Stammdisse P1. Und wißt Ihr, was dann passiert ist? Da murmelte so ein Türstehervieh etwas von Ersatztorwart. Also ich erst mal meinen Ich-bin-übermotiviert-und-
nichts-ist-vor-mir-sicher-Blick aufgesetzt und dann habe ich ihn mir vorgenommen. Erst mit dem alten Klose-2-Finger-in-die-Nase-Trick und danach habe ich mein Riesenmaul so nah an seins gedrückt wie damals bei dem Heiko Herrlich. Der Koloss ist fast aus den Latschen gekippt von meiner Fahne. Aber ich hatte noch nicht fertig. Nachdem ich ihm erst mal noch ordentlich eine geballert habe, biss ich 2 tellergroße Stücke aus seinem Oberschenkel, die ich dann auch gleich veschluckt habe. Wäh! Wäh! hat er gebrüllt, aber ich hatte so `ne Art Blutrausch. Deshalb hat er jetzt auch keine Eier mehr (genau wie unsere Mannschaft ab und zu…). Na ja, mit dem Lokalverbot im P1 muß ich jetzt wohl auch noch leben.

Ihr seid meine letzten verbliebenen Freunde, glaube ich, denn Ihr habt schließlich immer gegen den Lehmann gewettert, oder?
                                                                                            Euer Oli

Tja, Oli. Falsch gedacht! Genau wie Du haben wir auch keine Freunde und brauchen es deshalb keinem recht machen.
Viele Grüße,
wm-transfer.de

 

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.