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Dem Klinsi ihm sein Tagebuch

08/05/2018

Dem Klinsi ihm sein Kader

„Liebes Tagebuch, morgen gebe ich das Aufgebot für die Weltmeisterschaft bekannt. Jetzt kann ich es endlich mal einigen so richtig zeigen. Der Fabian Ernst zum Beispiel hat neulich im Trainingslager mal einen Ami-Witz gemacht und dachte, ich höre es nicht. Schade Fabi, falsch gedacht. Jetzt kannst Du schön Ferien machen, und zwar vom 9. Juni bis zum 9. Juli. Oder der Kevin Kurnyi oder wie der heißt (der lispelt so, dass ich ihn noch nie verstanden habe. Der spuckt mich jedes Mal beim Sprechen an. Und das ist bestimmt kein Zufall. Ich bin es leid, ständig Bröckchen von Nutella auf meinem feinen Outlett-Blazer zu haben. Und Tschüß!

Stattdessen werde ich den Nowotny-Jens wieder in die Mannschaft holen. Der ist zwar fast so alt wie meine Debbi und hat nicht besonders viel Ahnung vom Fußball, dafür ist er ein guter Maulwurf und plaudert gerne zu viel, gerade wenn er richtig einen gelötet hat. Und vor dem haben alle Schiss vor dem, bis auf den Oli Kahn. Aber der Jens spricht ohnehin nicht mit Ersatztorhütern.

Und dass ich den Odonkor in die Mannschaft nehmen werde, finde ich auch toll. Der sieht aus wie eine Mischung aus Asamoah und Mike Hanke. Da wird die Presse wieder denken: Der Klinsi geht  seinen Weg und so einen Schmarren. Aber meine Ablenkungsmanöver in den Vorbereitungsspielen haben sie ja auch gefressen , die kleinen Trottel von den Medien.

Mal schaun, wenn alles schief geht und wir mit der Truppe in der Vorrunde rausfliegen sollten, kann ich wenigstens noch ein paar Tage Urlaub machen. Da gehe ich dann vielleicht den Fabian Ernst besuchen. Der freut sich doch bestimmt…“

Dem Klinsi ihm seine Auslosung
„Mein liebes Tagebuch,  gestern fand die Auslosung statt. Die für meine WM. In der Nacht zuvor habe ich schlecht geschlafen und eingenässt. Aber das weißt Du ja – schließlich habe ich Dich den ganzen Morgen geföhnt, um die Seiten wieder trocken zu kriegen. Sorry, war ja keine Absicht.
Wir haben bei der Auslosung ganz schön Schwein gehabt. Ich meine, es hätte ja viel, viel, viel, viel schlimmer kommen können. Aber daran will ich gar nicht denken! Jetzt muss ich die nächsten Monate damit verbringen, aller Welt zu erzählen, wie gefährlich unsere Gegner doch sind. Und dass man sie nicht unterschätzen darf. Das glauben dann alle!!! Und dann hauen wir diese Pfurzköppe alle weg!!! Ist ja auch kein Problem, denn unsere Gegner sind ja nun wirklich verachtenswert schwach. Und falls wir doch rausfliegen sollten (z.B. wenn der Olli wieder ein Träumerli macht), dann ist das auch kein Problem – schließlich habe ich ja lang und breit erklärt, wie gefährlich Polen, Costa Rica und Ecuador sind. Was soll ich machen, wenn keiner auf mich hört?
Die Auslosung fand ich übrigens toll. Die Musik und das Kleid von der Klum (das würde mir übrigens auch stehen, aber dann schimpft MV wieder…) und den süßen Beckmann, den alten Schwerenöter. Nur dass der Loddar da war, fand ich nicht schön. Das fand ich eher ein bisschen zum Kotzen. Ist aber egal, dem ihm seine ehemaligen Spieler machen bei der WM ja nicht mit – meine schon!!!“

Dem Klinsi seine Schwester
„Liebes Tagebuch, heute habe ich mich wieder mit Debbie gestritten. Sie war sehr, sehr ungerecht und sagte, dass ich nicht nur mein jungendlich, lockeres Auftreten verlieren würde, sondern auch zunehmend kahle Stellen auf meinem Kopf bekäme.
Früher, ja früher, da hat sie immer mit diesem süßen Akzent  „Stääwi“ in mein Ohr gesäuselt. Dann lief es mir immer eiskalt den Rücken hinunter. Aber seit ich immer weniger aussehe wie „Stääwi“, da säuselt sie auch nicht mehr.
Ich finde es eigentlich okay, erwachsen zu werden. Auch wenn das Haar lichter wird. Auch wenn die Zähne lockerer werden. Und ich wollte ohnehin nicht mein Leben lang mit Steffi Graf verglichen werden. Die Ähnlichkeit ist doch nun wirklich rein zufällig und diese ganzen Klon-Theorien wurden auch größtenteils widerlegt.
Jetzt lege ich mich schlafen. Vielleicht träume ich vom Confed-Cup. Oder von meinem Tor gegen die Holländer. Oder vom Agassi. Gute Nacht, mein liebes Tagebuch.“

Dem Klinsi seine Torhüter(probleme)
„Liebes Tagebuch! Heute hat es wieder mächtig Ärger gegeben. Immer das Gleiche. Der Oli sagt: „Jens ist doof.“ Und Jens sagt: „Selber, selber!“ Das ist doch langweilig.
Aber Torhüter sind sowieso so ein Völkchen für sich. Ich konnte sie eigentlich noch nie so richtig leiden. Man muss ja auch ziemlich krank sein, sich von Vollblutstürmern wie z.B. von mir die Pille um die Ohren hauen zu lassen. Und dann streiten sie sich darum, wer besser ist. Dir, meinem lieben Tagebuch, vertraue ich jetzt ein Geheimnis an: Die beiden sind längst über ihren Zenit hinaus. Der Olli lebt nur noch von seiner Leistung bei der letzten WM, hält sonst aber nicht einmal mehr die Rückgaben von dem Wiiiiiiili Sajnoll oder wie der heißen tut. Und Lehmann, die alte Großschnauze, leistet sich doch einen Klops nach dem anderen. Ich schaue ja viel Fußball im Fernsehen, deshalb weiß ich das. Von wegen „spielender Torhüter“. Wenn der so beschlagen mit dem Ball ist, warum ist er dann nicht so ein Ausnahmestürmer geworden wie z.B. ich.
Es ist mir egal, wenn diese beiden Hirntoten sich ständig bekriegen. Von denen spielt sowieso keiner bei der WM. Da stell ich nämlich den Timo rein. Der spielt zwar auch nicht doll, aber er ist jünger und hat eine poppige Frisur. Und bis es so weit ist, lass ich entweder den Olli oder den Jens zu Hause, wenn der andere spielt. Das ist ziemlich gewitzt von mir, finde ich.
Der Einzige, der meinen listigen Plan durchschaut hat, war der Maier-Sepp. Dafür habe ich ihn ja auch gefeuert. Hehehe“

Dem Klinsi sein Confed-Cup
„Mein liebes Tagebuch, erst einmal Entschuldigung, dass ich so lange nichts eingetragen habe. Ich war in Deutschland (das liegt zwischen Amerika und Russland) und habe mit meinen Männern beim Confed-Cup gespielt. Und wie! Mit der Truppe kann man was reißen. Wir haben alle kaputtgemacht. Erst Australien, dann Tunesien, dann ein bisschen Argentinien, dann Mexiko. Na gut, die Brasilianer hatten einfach nur Glück, aber das wird sich auch noch ändern.
Die Stimmung bei den Jungs war prima, nur unsere Herren Torhüter haben sich wieder wie die Zicken benommen. Und der Olli, das Verena-Liebchen, hat gesagt, dass es doof ist, wenn alle nach vorne rennen und die anderen ihm dann immer die Hütte vollschießen. Blödsinn! Das sagt auch der Löw. Und der hat schließlich Ahnung!
Ansonsten haben die Jungs gerackert, gefightet und getroffen. Man, hab ich die gut auf- und eingestellt. Die Presse nennt meinen Stil Hurra-Fussball. Find ich gut. Richtig gut. Ist doch viel besser, als wenn sie es Doof-Fußball oder Angsthasen-Fußball nennen würden.
Ich glaube, wir werden bis zur WM nicht mehr verlieren. Ach was sag ich, wir werden einfach alle wegputzen. Und dann werden wir natürlich auch Weltmeister! Und wenn nicht, trete ich einfach zurück. Dann können mich alle mal – schließlich habe ich ein tolles Haus in Amerika, eine tolle Frau in Amerika und deutsche Zeitungen gibt es hier auch nicht.
Und wenn wir doch nicht Weltmeister werden, dann ist der Löw schuld. Den mag doch sowieso keiner, den alten Langweiler.
Debbie ruft – ich muss Schluss machen. Der Abwasch wartet.“

Dem Klinsi ihm seine Slowaken
„Au Backe, das ging richtig in die Hose. Will dieses undankbare Pack von Nachwuchskickern mich eigentlich ärgern? Wollen die mich fertigmachen? Ich hatte die Jungs perfekt eingestellt und als Dank spielen sie wie die letzten Arschlöcher. Ist das der Dank für alles, meine Mühe, meine Entbehrungen?
Das kann es ja nun nicht sein. Ich sollte jetzt mit Sanktionen arbeiten. Erschießen oder so. Oder zurücktreten und Berti Vogts zu meinem Nachfolger bestimmen.
Die Presse hat geschrieben, dass wir Doof-Fußball  und Angsthasen-Fußball gespielt haben. Das ist doch nicht fair! Hab ich nicht alles zurechtgerückt, was mein Kumpel Rudi verbockt hat? Undank ist der Welt Lohn!
In ein paar Tagen spielen wir gegen Südafrika. Wenn das auch schief geht, werden Köpfe rollen. Das hat mir der Zwanziger am Telefon gesagt. Undankbarer Kerl! Wahrscheinlich hat ihm die olle Spritnase Mayer-Vorfelder wieder Druck gemacht. Aber das ist egal. Der hat das sowieso wieder vergessen, wenn er wieder klar im Kopf ist.
Ich muss Dich gut verstecken, liebes Tagebuch. Wenn Dich jemand findet, ist die Kacke am dampfen.“

 Dem Klinsi seine Freundschaftsspiele
„Liebes Tagebuch, in den ganzen Zeitungen schreiben sie, dass unsere Mannschaft nie und nimmer die Qualifikationsspiele geschafft hätte. Stimmt doch gar nicht!  Wir hätten sie alle weggehauen, aber als Veranstalterland müssen wir uns halt nicht qualifizieren. Das ist eine feste Regel. Genauso eine feste Regel wie Der Ball ist rund oder Die stärkste Fraktion stellt den Kanzler oder dem Pumuckel ihm seine Harre sind knallrot. Das ist halt so!
Hat sich denn jemand darüber aufgeregt, dass sich bei der letzten WM diese Piepen aus Japan und Süd-Korea nicht qualifizieren mussten?
Ich finde Qualifikationsspiele doof. Da muss man immer so weit reisen. In die Ukraine, nach Weißrussland, nach Belgien oder so. Das macht doch keinen Spaß! Da lob ich mir doch diese Vorbereitungsspielchen. Die machen viel Spaß. Ganz toll fand ich die Asienreise. Erholung pur. Wir haben auch viel gesehen, viel Kultur und so etwas. Und auf dem Feld haben wir uns dann auch erholt. Mann, da hat es nur so gerappelt in unserer Kiste. Und die kleinen, gelben Männer haben sich so gefreut.
Ist aber egal – das waren ja nur Testspiele.“

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